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Gewissheit der Führung Gottes? von Jörg Dechert

Frage:

Seit längerer Zeit beschäftigt mich die Frage, wie ich Gottes Führung erfahren kann. Ich weiß, daß mir Bibellesen /-arbeiten, Gespräche mit anderen Christen und Beten bei der Orientierung und der Suche nach einem Weg helfen. Doch nicht alle raten mir im Gespräch dasselbe, nicht zu allen konkreten Fragen gibt es in der Bibel Verse, ich kann nicht immer beten. Wie erhalte ich Gewißheit?

Das ist wohl eine der Top Ten-Fragen vieler Christen: Wie erkenne ich Gottes Willen für mein Leben?

(1) Gottes Wille und Gottes Führung

Grundsätzlich ist es unheimlich hilfreich, eine Unterscheidung vorzunehmen zwischen Gottes Willen und Gottes Führung.

Führung bedeutet: Gott zeigt mir (wie auch immer), für welche von mehreren Alternativen ich mich in einer konkreten Situation entscheiden soll.

Wille bedeutet: Was möchte Gott für mein ganzes Leben - dabei geht es nicht um einzelne Entscheidungen, nicht um ein Programm, das ich möglichst gut "abarbeiten" soll, sondern um eine Beziehung zwischen Jesus und mir.

Bevor wir uns mit dem Thema Führung auseinandersetzen, sollten wir mal kurz in der Bibel nachsehen, inwieweit Gott seinen Willen für unser Leben dort bekannt macht:

(2) Gott will uns ganz

Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung 1.Thessalonicher 4,3

Gott möchte, dass wir ihm unser Leben, unsere Einstellungen, unser ganzes Sein ("mit Haut und Haaren") zur Verfügung stellen, damit er uns zu dem Menschen machen kann, den er möchte. Er möchte, dass unsere Gedanken, Taten und Worte sein Leben und seine Liebe zu den Menschen ausdrücken, so dass andere Menschen mehr und mehr Jesus in uns erkennen können. Er möchte, dass wir unser Leben in Abhängigkeit von ihm und seiner unerschöpflichen Ressourcen führen. Diesem Ziel läuft Gottes Willen und Gottes Führung nie zuwider.

(3) Gott will uns gebrauchen

Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das ist euer vernünftiger Gottesdienst. Römer 12,1

Gott möchte, dass wir ihm unseren Körper, unsere Tatkraft, unserer Initiative zur Verfügung stellen, damit er sie gebrauchen kann. Empfinden wir das als Bedrohung unserer Sicherheit, unseres Egoismus? Oder sind wir gespannt darauf, wie Gott uns schwache Menschen für seine göttlichen Ziele und Aufgaben gebrauchen kann? Er nimmt uns nicht zähneknirschend in Kauf, weil es etwa nichts besseres gäbe - nein, wenn wir uns Gott zur Verfügung stellen, dann sind wir "Gott wohlgefällig". Und das ist nicht etwa ein Extra von ein paar "Superchristen", sondern unser "vernünftiger Gottesdienst", d.h. das Eigentliche und das Wesentliche und das Mindeste, wie wir Gott dienen können.

(4) Gott möchte, dass wir dankbar auf ihn ausgerichtet sind

Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. 1.Thessalonicher 5,18

Gott möchte, dass unsere Gedanken und unser Willen auf ihn ausgerichtet sind. Wir sollen nicht für alle Dinge dankbar sein (das können wir auch gar nicht), sondern in allen Dingen - nämlich dankbar, dass Gott in allen Dingen an uns am Werk ist, so dass "denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen" (Römer 8,28). Hadern wir kontinuierlich mit unserem Schicksal und beklagen uns über die Ungerechtigkeiten, die uns passieren? Oder kommen wir zu Gott mit unserer ehrlich empfundenen Schwierigkeit und sagen ihm: "Ich leide gerade sehr unter meinen Umständen. Warum muß das so sein? Wenn Du das aber so zulässt, dann bin ich gespannt, was Du Gutes daraus machen wirst. Ich danke Dir, Gott, dass Du alles unter Kontrolle hast". Hier geht es um unser Vertrauen zu Gott, auch in Schwierigkeiten und katastrophalen Umständen. Gott möchte, dass wir ihm vertrauen, mit seinem Eingreifen in unseren Alltag rechnen, und ihm zu trauen, alle Umstände unseres Lebens für seine Ziele gebrauchen zu können.

Wie die angeführten Bibelstellen zeigen, ist der Wille Gottes also etwas, über das wir durchaus Gewissheit haben können, ja sogar haben sollen (deshalb offenbart Gott ja seinen Willen in der Bibel). Diese Gewissheit beruht letzten Endes auf Gottes Wesen und Charakter.

(5) Führung innerhalb Gottes Willens

Und jetzt kommt die Führung Gottes ins Spiel: Innerhalb dieses "Rahmens", den Gottes Willen für unser Leben steckt, haben wir die Freiheit und die Verantwortung, Entscheidungen für unser Leben zu treffen und die Konsequenzen dieser Entscheidungen zu tragen. Wenn wir nun unser Leben als Christen aus der Gegenwart Jesu in uns heraus leben, fragen wir natürlich: "Gott, was willst Du konkret in dieser Situation?" Und oft hat Gott auch etwas konkretes zu dieser Frage zu antworten - die Bibel und die Erfahrung von Millionen von Christen seitdem sind voll davon. Du führst ja schon einige der "Kanäle" auf, durch die Gott in konkrete Situationen hineinsprechen kann:

Unser Verstand (!)

Gespräch mit (reifen) Christen

Nachforschen in der Bibel

Gebet ("Frieden über einer Sache haben")

u.v.m.

Keiner dieser "Kanäle" ist unfehlbar in dem Sinn, dass wir 100% sicher sein können, ob wir wirklich Gottes Reden oder unsere eigentlichen Gedanken mitbekommen. In diesem Sinne gibt es in Sachen "Führung Gottes" oft keine Gewissheit, im Gegensatz zur Frage nach dem Willen Gottes.

(6) Wenn Gott bewusst auf Führung verzichtet

Manchmal hat Gott in der Bibel schon längst direkt etwas zu unserer Frage geantwortet oder in der Form von Prinzipien, die sich aus der Bibel ableiten lassen.

Manchmal wissen wir schon längst, was wir tun sollten, haben aber einfach nicht den Mut, es in die Tat umzusetzen. Dann ist es keine Frage von mangelndem Reden Gottes, sondern von mangelndem Gehorsam und mangelnder Konsequenz unsererseits.

Manchmal überlässt Gott uns bewusst die Entscheidung: "Was willst Du eigentlich ?" Ich selber habe das mal so erlebt, dass ich mich ein halbes Jahr mit einer - in meine Augen folgenschweren - Entscheidung geplagt habe, und Gott hat keine konkrete Führung durchblicken lassen. Mir wurde dann klar, dass Gott mir ganz bewusst Freiheit zur Entscheidung gibt und ich auch die Verantwortung habe, die Frage zu beantworten, was ich eigentlich will. ... (es gibt sicher noch mehr Gründe)

Ich denke, wir können über Gottes Willen absolut gewiss sein, aber über Gottes Führung für eine konkrete Situation im allgemeinen nicht. Gott möchte, dass wir unser Leben in Abhängigkeit von ihm leben, nicht in Abhängigkeit von unserem Gefühl der Gewissheit. In diesem Sinn ist Leben mit Gott immer auch ein Sprung in ungewisse Situationen. Gleichzeitig haben wir aber die absolute Gewissheit, dass Gott zu seinem Wort in der Bibel steht und sich sein Charakter nie ändert. Er ist absolut vertrauenswürdig, auch wenn wir uns in manchen Entscheidungssituationen unsicher fühlen - er hält unser Leben in seiner Hand.

(7) Fazit zu Führung und Gewissheit

So gut ich selbst die Frage nach konkreter Führung nachvollziehen kann - wir sollten nie das Vertrauen in Gottes Person durch einen "Orakel-Werkzeugkasten" ("100 Tipps & Tricks, Gottes Führung zu erfahren") ersetzen, der uns letztlich von Methoden abhängig und von Gott selber unabhängig machen würde.

Wenn wir die "Kanäle" abgecheckt haben, durch die Gott normalerweise zu uns spricht, und wir keine absolute Gewissheit über den einzuschlagenden Weg haben, dann dürfen und müssen wir nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden - und wir können absolut gewiss sein, dass Gott unser Leben in seiner Hand hat.

Bibelstellen: Römer 8,28 / Römer 12,1 / 1.Thessalonicher 4,3 / 1.Thessalonicher 5,18

Quelle: www.nikodemus.net/355 (C) 2004 CINA / ERF

Copyright / Quelle: Elim
 
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