Impuls
Zeitgeist, Angst und Fahrgefühl
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Deutschland ist ein Exportland. Und am Besten lassen sich Worte importieren - das kostet nichts. Muttersprachlich gesehen schleichen sich Jahr für Jahr neue Wörter in unsere Sprache. Manche bringen es zum »Wort des Jahres«. Aber auch der Wort-Export gelingt. In den USA haben in (unter anderem) drei deutsche Wörter den Sprung in die Alltagssprache geschafft:
»Zeitgeist«, »Angst« und »Fahrgefühl«.
Was haben wir da eigentlich exportiert? Am Ende Wörter, die geheimnisvoll zusammengehören? Zeitgeist - das ist das, was in einer Zeit den Ton dafür angibt, was »in« zu sein hat und was »out«, was »man« denkt, fühlt und tut. Und hier hat die Angst seit einiger Zeit einen Stammplatz. Erst war es die Angst vor einem möglichen Atomkrieg, jetzt ist es eher die Angst vor dem Verlust des Wohlstands. Niemand ängstigt sich so oft und intensiv wie wir Deutschen. Im Ausland spricht man zuweilen gar von der »German Angst«.
Doch gibt es zum Glück auch noch das Fahrgefühl, das die Angst zuweilen vergessen lässt. Immer noch ist das Auto das liebste Kind vieler Zeitgenossen. Immer noch gehören deutsche Autos zum Besten, was der Markt zu bieten hat. Und immer noch steht man nirgendwo so schnell und so komfortabel im Stau wie bei uns. Ist das am Ende die deutsche Seelenlage? Der deutsche Zeitgeist: irgendwo zwischen Angst und Fahrgefühl?
Wenn unser Zeitgeist stärker vom Geist des Ewigen bestimmt wäre, würden wir vielleicht andere Wörter exportieren. Ich schlage für dieses Jahr das Wort »Zuversicht« vor und erinnere an das Wort: »Jesus Christus spricht: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.« (Johannes 16,33)
Jürgen Werth
Gesellschaft