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Gott rettet Stuttgart -- Evolution: Grundlage für Rassismus?


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Gott rettet Stuttgart

Evolution: Grundlage für Rassismus?

Inhalt:

• Schöpfung, Evolution, traditionell verhärtete Fronten
• Ein Evolutionist beschreibt den Mißbrauch der Evolutionstheorie
• Die Schritte der Evolution sind überall erkennbar und lebendig erhalten
• Politik, Populationsgenetik und Evolutionsgedanke verbinden sich in der Praxis
• Auch heute beeinflußt der Evolutionsgedanke Menschenbild und Ethik
• Ausblick: Mißbrauchte Theorie oder wissenschaftlich verpackte Ideologie?

Seit Jahrzehnten schwelt, besonders in den USA, ein Konflikt darüber, was im Biologieunterricht zu lehren sei, die Theorie der Evolution oder die Entstehung des Lebens und der Arten durch Gott oder beide Sichtweisen nebeneinander. Befürworter der Evolutionstheorie betrachten diese als die einzige zu lehrende vernünftige Erklärung für die Entstehung des Lebens, dagegen bestehen Kreationisten darauf, daß auch die auf die Bibel sich gründende Schöpfungslehre vertretbar sei und gelehrt werden sollte.

Seit rund zwei Jahrzehnten ist dieser Konflikt besonders durch das Erstarken der bekennenden christlichen Bewegung und die Gründungen christlicher Schulen auch in Deutschland aktuell.

Abgesehen von den wissenschaftlichen und theologischen Argumenten für die verschiedenen Ansichten zeigen sich auch unterschiedliche ideologische Tendenzen bei beiden Parteien. Diese äußern sich z. B. darin, daß gelegentlich der Gegenseite deren Irrungen und Verwirrungen angelastet werden, die eigene Geschichte aber völlig unkritisch betrachtet bzw. unterschlagen wird. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen.

Schöpfung, Evolution, traditionell verhärtete Fronten

In einer Fachzeitschrift für den naturkundlichen Schulunterricht werden grobe Fehler und Engstirnigkeit einiger Vertreter des Kreationismus zur Bewertung der Schöpfungslehre im Schulunterricht herangezogen, und die Schöpfungslehre damit als unwissenschaftliche und gefährliche Ideologie, die oft mit politischen Einstellungen gekoppelt sei, gekennzeichnet.

Betrachtet man die Geschichte des Kreationismus und die damit verbundenen Gerichtsverfahren in den USA, so ist eine derartige Einstellung vielleicht verständlich. Andererseits wurde aber auch die Evolutionstheorie mißbraucht oder falsch verstanden; dennoch, ihre Begründer und die Theorie selbst werden in hohen Ehren gehalten.

Ein Evolutionist beschreibt den Mißbrauch der Evolutionstheorie

Stephen J. Gould, überzeugter Evolutionist und erfolgreicher Forscher an der Smithsonian Institution in den USA, macht in seinen Büchern immer wieder auf einige menschliche Probleme aufmerksam: auf den Umgang mit wissenschaftlichen Theorien und Forschungsergebnissen, insbesondere wenn ihre Interpretationen auf den Menschen angewendet werden.

In Kürze: Prominente Wissenschaftler gingen den allgemeinen Ansichten der letzten zwei Jahrhunderte entsprechend davon aus, daß die verschiedenen Menschenrassen verschiedene Stufen der Perfektion einnehmen. Schöpfungslehre und Evolutionstheorie wurden jeweils in unterschiedlicher Weise dieser "allgemein bekannten Tatsache" angepaßt.

Gould stellt eine Reihe von bedeutenden Wissenschaftlern der Vergangenheit und ihre Ansichten zu diesem Punkt vor. So Louis Agassiz, der in der Mitte des 19. Jhd. die Afrikaner als den Weißen unterlegen ansah, und davon ausging, daß Gott die Weißen und Schwarzen als zwei unterschiedliche Spezies erschaffen habe. Zur widernatürlichen Vermischung der Gruppen kam es nach seiner Meinung dadurch, daß sich die jungen weißen Männer durch Mischlingsmädchen, die als Hauspersonal arbeiteten, an den Verkehr mit der dunklen Gruppe gewöhnten.

Im Gefolge der Auffassung, die dunkelhäutigen Rassen seien den Europäern unterlegen, kam dann aber auch der Darwinismus den Europäern und Weißen Amerikas, die den Europäer als die überlegene Rasse schlechthin ansahen, nur gelegen. Man ging davon aus, daß eine Entwicklung zum "Höheren", also eine Evolution, alles beherrscht, wodurch Rassenunterschiede und unterschiedliche Wertungen der Rassen verständlich seien.

Die Schritte der Evolution sind überall erkennbar und lebendig erhalten

Gould zeigt weiter: Die Embryonalentwicklung sollte nach Haeckel die Schritte der Evolution als eine Rekapitulation wiederholen: vom Zellklumpen zum Urfisch, zum Amphib, Reptil, Ursäuger, Affen und schließlich zum Menschen. Das Kind wieder zeige in seiner geistigen Entwicklung die Phasen der menschlichen Evolution: affenartige Uneinsichtigkeit, primitive Sprache und primitiver Werkzeuggebrauch, einfache intellektuelle und handwerkliche Fähigkeiten und endlich perfekte Reife. Auch die Gesellschaft zeige Evolution, von der primitiven Horde zur hochdifferenzierten Ständegesellschaft.

Die Menschenrassen entsprachen folglich nun verschiedenen Stufen der Evolution, auf der die eine oder andere Rasse stehen geblieben sei, was an ihrem Körperbau wie auch an ihrem Verhalten und ihren geistigen Fähigkeiten ablesbar sei: Affen, Hottentotten, Neger, Asiaten und Europäer, unter diesen wiederum die Germanen, Angelsachsen und eventuell Franzosen als Spitze der Evolution. Haeckel selbst und viele seiner Zeitgenossen vertraten die Ansicht, daß Frauen und Neger auf der geistigen Stufe der Kinder stehen geblieben seien.

Politik, Populationsgenetik und Evolutionsgedanke verbinden sich in der Praxis

Alfred Binet (1857-1911) entwickelte den Vorläufer des Intelligenztests, um zu zeigen, daß ein direkter Zusammenhang zwischen Schädelform, Schädelvolumen und Intelligenz bestünde. Er ging auch von einer Vererbung dieser Merkmale aus.

Goddard brachte Theorie und Testpraxis Binets zur Zeit des Ersten Weltkrieges nach Amerika, verband sie mit den Mendelschen Gesetzen der Vererbung und entwickelte den Intelligenztest, um damit zu verhindern, daß zu viele Minderintelligente in die USA einwanderten, und um die Vermehrung der Minderintelligenz in der Nation dadurch zu bremsen, daß Minderintelligenten und Schwachsinnigen die Fortpflanzung unmöglich gemacht würde. Er sah dies als eine zwingende Notwendigkeit an, da eine Demokratie ja auf Denkvermögen und Klarsicht des Volkes angewiesen sei, und dumme Menschen nicht die richtige Regierung wählen könnten. Dies klang einsichtig, denn der Darwinismus lehrt, daß nur die Weitergabe der hochwertigsten Erbmerkmale (heute auch als angepaßte Gene bezeichnet) zur Weiterentwicklung führt. Unabsichtlich mißverständlich angelegte Intelligenztests schienen auch zu zeigen, daß Einwanderer aus Ost- und Südeuropa sowie Juden überwiegend von minderer Intelligenz waren. Für diese Charakterisierung wurde der Begriff "moron" verwendet, ein Wort, das eigens dafür aus dem Griechischen neu aufgenommen wurde und sich seitdem in der englischen Sprache eingebürgert hat; so stark war der Einfluß dieser Theorien und ihrer Politik. Die Konsequenz waren Einwanderungsbestimmungen, die die Einwanderungsquote aus Ländern mit "minderwertigen" Rassen begrenzten, und Gesetze, die verhindern sollten, daß geistig zurückgebliebene Menschen Nachkommen in die Welt setzten. Es muß wie Hohn klingen, daß ein weltbekannter Wissenschaftler wie Stephen J. Gould selbst Nachfahre einer dieser "moronen" Rassen ist.

1884 kam ein italienischer Arzt zu dem Schluß, Kriminalität sei das Resultat eines Artrückschlages: Der Mensch habe in seiner Evolution die tierischen Verhaltensformen des Egoismus, der Gewalttätigkeit etc. überwunden, aber primitive Gesellschaften der Wilden sollen diese noch besitzen. Kriminell gewordenen Europäer seien Opfer eines Artrückschlages (Atavismus), der diese sonst verlorenen Merkmale wieder hervorbrachte. Cesare Lombroso fand prompt eine Reihe von körperlichen Merkmalen, die die vermeintliche Primitivität der Kriminellen zeigten. Es sollten aufgrund dieser "wissenschaftlichen Erkenntnisse" Möglichkeiten gefunden werden, Kriminelle zu erkennen, um sie vorbeugend an ihren Untaten zu hindern, bevor sie ein Verbrechen begehen könnten.

In den USA wurden einige Menschen ohne ihr Wissen sterilisiert, um die Vererbung der minderwertigen Gene zu verhindern. Auch in Schweden wurde dies praktiziert; laut aktuellen Presseberichten findet zur Zeit in Schweden eine Aufarbeitung dieser Praxis statt, die bis 1950 betrieben worden sein soll.

Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland wurde daraus die Politik der Rassenvernichtung und -hygiene, "wissenschaftlich" begründet mit dem Kampf ums Überleben und der Selektion der überlegenen Erbmerkmale (survival of the fittest), wie Darwin es für die Evolution der Lebewesen postuliert hatte.

Bei der Unterscheidung der Menschen in "primitiv" und "hochentwickelt" war es nicht leicht, sich auf klare Merkmale und einsichtige Theorien zu stützen, es fehlten klare Kriterien. Gould stellt einige Ansätze dar, die heute verkrampft und lächerlich wirken: so war Brinton 1890 z.B. der Ansicht, daß die Rasse, die die meisten Merkmale des Embryonen oder des Kindes hat, am wenigsten weit entwickelt sei. Prompt wurden solche Merkmale auch bei Afrikanern gefunden, die generell schon für "primitiv" gehalten wurden, z.B. die Distanz zwischen Penis und Nabel. Diese Distanz ist bei Kindern relativ klein, aber bei Erwachsenen größer. Auch bei Afrikanern sollte sie nach Untersuchungen dieser Zeit dann angeblich kleiner sein als bei Europäern. Man stützte sich besonders auf die weniger exakt erfaßbare Kultur der Völker, wobei die europäische natürlich als die höchste galt.

Bald kehrten sich die Kriterien um, nicht aber die Schlußfolgerungen. So stellte Bolk 1926 fest, daß der Weiße am höchsten entwickelt sei, weil er körperlich auf der Stufe eines Kindes stehengeblieben sei (genau umgekehrt wie oben). Andere Rassen reifen nach Bolk weiter und werden, wie die Menschenaffen, je nach Entwicklungsstufe weniger lernfähig und mehr "affen-ähnlich". Die verschiedenen Menschenrassen bleiben dabei nach dieser Vorstellung jeweils auf Stufen der Altersentwicklung der Menschenaffen stehen. (Daß manche Merkmale des erwachsenen Menschen vergleichbar sind mit den "unreifen" Merkmalen von Menschenaffen, ist heute allgemein anerkannt, jedoch unterschiedlich deutbar.)

Tatsächlich fand man, daß erwachsene Weiße schwarzen Kindern ähneln in bezug auf Gebiß, Hautfarbe, Größe des Gesichtsschädels im Verhältnis zu der des Hirnschädels, etc. Die Merkmale, die vorher das Gegenteil bewiesen hatten, waren uninteressant geworden, man machte sich die neuen Erkenntnisse zunutze und zog dieselben Schlußfolgerungen wie früher aufgrund anderer Merkmale.

Da in der postulierten Evolutionsreihe der Wirbeltiere von den Fischen zu den Säugern das Gehirn an Größe zunimmt, ging man davon aus, daß ein großes Gehirn auch beim Menschen hohe Intelligenz und hohen Entwicklungsstand anzeigen müßte. Bald fand sich die angebliche Bestätigung: Afrikaner haben das kleinste Gehirn, Europäer das größte. Frauenhirne sind kleiner als die der Männer etc.

Heute sind die Methoden, mit denen diese Ergebnisse gefunden wurden, sehr fragwürdig, noch fragwürdiger aber ihre Interpretation. Menschliche Intelligenz, soweit überhaupt zu erfassen, ist nämlich in weiten Grenzen unabhängig von der Gehirnmasse. Innerhalb einer Art läßt die Gehirngröße keine Rückschlüsse auf Intelligenz zu.

Auch heute beeinflußt der Evolutionsgedanke Menschenbild und Ethik

Wie sieht es nach dem Zweiten Weltkrieg aus? Ein bedeutendes französisches Werk der Zoologie zeigt die Formen des Unterkiefers der Primaten im Vergleich: unten der Schimpansenkiefer mit fliehendem Kinn und mächtigen Schneidezähnen, darüber folgen Kiefer mit zunehmender Kinnausprägung und kleiner werdenden Schneidezähnen: Kiefer eines Tasmaniers, eines Negers und schließlich, ganz oben, mit enorm vorragendem Kinn, der Unterkiefer eines Franzosen, der sich in Kinn und Schneidezähnen am stärksten von dem eines Schimpansen unterscheidet. Es fällt schwer, hier nicht das Gefühl zu bekommen, daß es sich um eine aufsteigende evolutionäre Reihe handelt - dabei hätte schon eine andere Reihenfolge oder die Auswahl von weniger extremen Beispielen dies verhindert.

1962 stellte Carleton Coon die Theorie auf, daß sich fünf menschliche Rassen unabhängig voneinander aus Homo erectus entwickelt hätten, mit den jeweiligen Charakteristika der Verhaltenstypen, die er in den Rassen zu erkennen glaubte.

Ardrey (1961, 1976) sieht den Menschen als Nachkommen eines fleischfressenden, aggressiven Primaten, dessen Linie sich von den friedlicheren, sich vegetarisch ernährenden Vormenschen abtrennte und somit die "Raubtier"-Gene für Mord und Totschlag in unsere Zeit hineinträgt.

Auch Forscher, die dem Darwinismus kritisch gegenüberstanden, aber an eine Evolution durch andere Faktoren als Mutation und Selektion glaubten, sahen in den dunkelhäutigen Rassen Menschen, die sich nicht so weit entwickelt hätten wie die weiße Rasse, und den Affen näher standen. Ein deutscher Kolonial-Offizier ging davon aus, daß durch die Gewohnheit des Stehlens über viele Generationen hinweg, diese Praxis bei Afrikanern erblich bedingt sei.

Die heutige Soziobiologie (seit ca. 1975) meint im Menschen die Erbanlagen, die auch Verhaltensweisen der Tiere diktieren, erkennen zu können: Überlebens- und Vermehrungsstrategien, die es den Genen eines Einzelnen oder einer Verwandtschaftsgruppe ermöglichen, sich in größtmöglicher Zahl fortzupflanzen.

In einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift warnt der Primatologe Sommer vor "Moralaposteln", die auf die Widernatürlichkeit der Homosexualität hinweisen, indem er zeigt, daß "alle homosexuellen Praktiken, die es bei Menschen gibt, auch im Tierreich [vorkommen]".

Er führt als Beispiele aber nur Strategien der Tiere an, die einigen wenigen Tieren einen Fortpflanzungsvorteil verschaffen. Sie kommen gewissermaßen mit einem "Trick" zur Fortpflanzung. Sie tarnen sich durch ihr Verhalten als Weibchen und werden so von einem starken Männchen als solche behandelt und in der Nähe von seinen Weibchen geduldet. Dies nutzen sie, um sich mit den Weibchen zu paaren. Das hat wohl kaum mit der sexuellen Orientierung des Menschen zu tun. Es scheint eher eine gesuchte Rechtfertigung für das erwachende Selbstbewußtsein und das Ringen um Anerkennung der Homosexuellenbewegung zu sein.

Ausblick:

Mißbrauchte Theorie oder wissenschaftlich verpackte Ideologie?

Es zeigt sich, daß für jede Ideologie wissenschaftliche Kriterien gesucht werden - eine Vorgehensweise, die einem in vielen Bereichen begegnet. Es scheint, daß beim Menschen bevorzugt immer wieder solche Merkmale und Eigenschaften aus der vorausgesetzten Evolution abgeleitet werden, die in der jeweiligen vorherrschenden Denkrichtung der Zeit interessant sind (also gern aufgenommen werden). Es wird also eine Theorie mißbraucht, wie man alles mißbrauchen kann, auch eine Schöpfungslehre. Dabei werden aus dem Zeitgeist heraus Theorien entwickelt, die gesellschaftliche Grundmuster oder Vorurteile stützen. Aus solchen Vorgehensweisen dürfen jedoch keine vorschnellen Schlußfolgerungen über die zugrundeliegenden Theorien gezogen werden; eine differenzierte Betrachtungsweise ist notwendig.

Andererseits darf auch nicht übersehen werden, daß die Evolutionslehre nicht nur nachträglich als Rechtfertigung für bestimmte rassistische Vorstellungen verwendet wurde, sondern daß sie selbst auch in einem Klima bestimmter rassistischer Vorstellungen entstand bzw. begünstigt wurde. Dies haben Desmond & Moore in ihrer voluminösen Darwin-Biographie anhand umfangreichem, größtenteils erst vor kurzem veröffentlichtem Quellenmaterial eindrucksvoll herausgearbeitet.

Inwieweit die Evolutionslehre als "seriöse Theorie" rassistisches Denken fördert oder ob sie dafür nur mißbraucht wurde, ist nicht leicht zu beantworten.

1. Was ist Schöpfungslehre?

Weil es über das Wesen der Schöpfungslehre sowohl bei Gegnern als auch bei Befürwortern z.T. recht unklare Vorstellungen gibt, möchte ich zunächst drei wichtige Aspekte einleitend nennen:

a. Theologische Aspekte: Das Lob Gottes

Freude an der Schöpfung Gottes und das Lob des Schöpfers sind wichtiger als die detaillierte Auseinandersetzung mit schöpfungstheoretisch relevanten Themen. Hier besteht ein großer Nachholbedarf, weil dieser Aspekt in unserer Arbeit und in vielen Gemeinden kaum noch vorkommt. Vielen Menschen unserer säkularisierten Welt ist außerdem die Freude an der Schöpfung verlorengegangen. Das hat auch etwas mit der Problematik um die Bewahrung der Schöpfung zu tun, denn woran man keine Freude hat, ist man auch an der Bewahrung nur wenig interessiert. Neben diesem Gesichtspunkt kommt in unserer Arbeit noch ein eschatologischer (endzeitbezogener) Aspekt hinzu: Wir warten auf die neue Schöpfung. Schöpfungslehre ist also nicht Einengung auf Auslegungsfragen zu Genesis 1, und aus diesem Grunde sollten wir uns auch nicht auf solche Fragestellungen festlegen lassen, denn Schöpfungslehre ist viel umfassender: Es geht um die neue Welt Gottes.

b. Naturgeschichtlich-empirische Aspekte: Frage nach den Ursprüngen

Hier geht es um Fragen folgender Art: Wie war der Beginn der Welt? Wie war die Vergangenheit des Lebens und der Gesteine auf der Erde? Wie können wir das, was wir messen (z.B. in der Kosmologie) in Beziehung dazu setzen? Bei der Erforschung dieser Probleme spielen erkenntnistheoretische Fragestellungen eine bedeutende Rolle: Wie groß ist die Reichweite unseres Erkennens und unserer wissenschaftlichen Methodik?

c. Das Zentrum der Schöpfungslehre: Jesus

Nicht Genesis 1-3 ist das Zentrum der Schöpfungslehre, sondern Jesus. Er bewegt uns in unserem Denken, Forschen und Hoffen, er ist Schöpfer, Erhalter und Vollender der Welt, denn "von ihm, und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge" (Röm 11,36). Das bedeutet für uns, daß wir uns nicht auf Schein- oder Seitengefechte einengen lassen sollten, die uns den Blick für die Mitte unseres Glaubens verstellen.

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