Montag, 10. Januar 2005
Geheiligt werde Dein Name.
„Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns heilig werde.“
(Martin Luther)
Text zur Vertiefung: Psalm 99
In unserer modernen Welt ist uns das Heilige abhanden gekommen. Das ist kein Vorwurf sondern eine Feststellung. Wir werden geboren und wachsen auf in einer säkularisierten Gesellschaft, in der alles profan ist. Alles wird enthüllt, alles ist für alle da, allen zugänglich – oder soll es angeblich sein. Es gibt nichts Besonderes oder niemand Besonderen.
Sehnsucht nach dem Heiligen
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb suchen die Menschen das Besondere. Viele Menschen sind Fans: Fußballfans, Fans von Deutschlands meistgesuchtem Superstar oder Fans von Königs- und Fürstenhäusern. Es scheint zum Wesen des Menschen zu gehören, jemanden verehren zu wollen. In der Jagd nach dem Besonderen zeigt sich die verschüttete Sehnsucht nach dem Heiligen. Und weil uns das Heilige – oder besser: der heilige Gott – verloren gegangen ist, werden Ersatzheilige angebetet. Ganze Industrien leben vom Fankult, in dessen „Gottesdiensten“ viel Geld und Zeit verjubelt wird. Die Verheißung: Durch die Verehrung des Stars soll ein wenig von dessen Glanz auf das eigene glanzlose Leben fallen.
Gott heiligen
Christen wissen natürlich um den heiligen Gott. Es ist erfreulich, dass sein Name in vielen neuen Anbetungsliedern und Lobpreis-Gottesdiensten besungen wird. Es ist gut und heilsam, wenn die Seele sich im Glanz Gottes sonnt. Aber klar ist auch: Das Heiligen Gottes ist mehr als ein schönes Gefühl am Sonntag. Gottes Namen heiligen ist eine Lebenshaltung. Zur Anbetung mit Liedern und Gebeten gehört die innere (und manchmal äußere) Verneigung vor dem König der Könige. Wir beugen uns vor dem Gott, der die Welt gut und gerecht regiert, der souverän herrscht und dessen Entscheidungen und Pläne unfehlbar gut sind. Wir erkennen seine wunderbare Führung an, auch wenn wir sie oft nicht verstehen. Denn auch das gehört dazu: Wir beten den Gott an, der Dinge geschehen und Zustände bestehen lässt, die wir weder mit seiner Liebe noch mit seiner Heiligkeit in Einklang bringen können.
Wenn wir Gottes Namen heiligen, ist das ein Bekenntnis vertrauenden Glaubens. Wir bezeugen vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt, dass Gott bereits am Werk ist, auch das Furchtbare und Unverständliche seinem guten Plan zu unterwerfen. All das muss ihm dienen. Eines Tages wird es offenbar.
Gebetsschwerpunkt: Beugung
Eigentlich müssten wir als unheilige Menschen vor Gottes Heiligkeit vergehen. Er aber will unsere Gemeinschaft. Beim Tod Jesu ist der Vorhang im Tempel zerrissen. Der Zugang ist erlaubt. Dennoch: Gott bleibt heilig. Wir beugen uns, wo wir das vergessen oder gering geachtet haben. Für eine Welt, die die Heiligkeit Gottes verkennt oder durch anderes ersetzt, treten wir auch stellvertretend in Ehrfurcht und Liebe vor ihn.
Wir beugen uns
vor der Heiligkeit, Größe und Barmherzigkeit Gottes und geben ihm allein die Ehre
und bitten um Vergebung, wo wir selber den dreieinigen Gott mit unserem Leben nicht geehrt oder ihn kumpelhaft zum Erfüllungsgehilfen unserer Wünsche gemacht haben
und bitten um Vergebung für Tendenzen in unserer Gesellschaft, die Gottes Heiligkeit verhöhnen
und ehren den heiligen und barmherzigen Gott neu mit unserer Hingabe und Liebe.
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