Vollständige Ausführung des Vater Unser
Donnerstag, 13. Januar 2005
Unser tägliches Brot gib uns heute.
„Gott gibt täglich Brot und wohl auch ohne unsere Bitte...; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er uns lasse erkennen und mit Danksagung empfangen unser täglich Brot.“
(Martin Luther)
Text zur Vertiefung: Matthäus 6,31–34
Als Christen sind wir aufgefordert, Gott und dem Bau seines Reiches den ersten Platz in unserem Leben einzuräumen. Dafür sollen wir unsere Kraft einsetzen. Darauf sollen wir unsere Gedanken und unsere Planungen ausrichten. Das will Gott andererseits damit beantworten, dass er uns mit allem versorgt, was wir zum Leben nötig haben. Die Angst um das tägliche Auskommen ist ein Kennzeichen der Menschen, die Jesus nicht kennen. Wer dagegen Gott an erste Stelle setzt, der darf wissen, dass ihm alles zur Bewältigung seines Alltags Notwendige zufällt – ohne dass er sich deswegen nur von „Fallobst“ ernähren muss.
Gott will gebeten sein
Wenn diese „Abmachung“ so fantastisch funktioniert, warum sollen wir dann aber noch um das tägliche Brot bitten? Es gehört zu einer intakten Gottesbeziehung, dass wir den Vater um das bitten, wovon wir wissen, dass er es gerne gibt. „Bittet, so wird euch gegeben...“
(Matthäus 7,7).
Die Frage, ob Gott uns denn nicht versorgen würde, wenn wir ihn nicht bitten würden, findet in der Bibel keine eindeutige Antwort, aber sie zeigt in jedem Fall eine gestörte Gottesbeziehung. Gott möchte gebeten sein. Und das in der Gewissheit, dass unser Gebet gehört und auf die für uns optimale Weise beantwortet wird. Außerdem: Indem wir unsere Wünsche zu einem Gebet machen, wird uns bewusst, inwiefern sie angemessen sind und zu unserem Leben als Christen passen. Und noch etwas: Das, was zuvor erbeten wurde, empfangen wir später umso bewusster als Wohltaten Gottes.
Nicht um große Reichtümer sollen wir bitten, sondern um, wie es wörtlich übersetzt heißt, das „nötige“ Brot. Und das nicht im Sinne der heute so vielfältig beworbenen Altersversorgung, die einen für den Rest des Lebens unabhängig macht, sondern im Sinne einer Versorgung für heute. So bleiben wir im Gespräch mit dem himmlischen Vater. Morgen bitten wir wieder, morgen gibt er wieder, morgen danken wir wieder.
Gott liebt es zu geben
Ja, wir danken! Denn immer wieder machen wir die Erfahrung, wie großzügig Gott das „nötig“ auslegt, wie er im Überfluss gibt, wo wir nur um das Nötige gebeten haben. Es bleibt Gottes Geheimnis, wie er angesichts knapper Kassen, steigender Kosten für die Eigenvorsorge und sinkender Sozialstandards eine angemessene, ausreichende Versorgung für seine Kinder sicherstellt. Aber es steht seine Zusage, dass die Sorge um das tägliche Brot nicht unsere sein muss.
Gebetsschwerpunkt: Fürbitte
Das Vertrauen in die tägliche und lebenslange Versorgung Gottes lenkt unsere Augen hin auf seine Wunder und weg von den eigenen Sorgen. Das macht uns frei, in der Fürbitte für andere in der Nähe und Ferne einzustehen. Er möchte uns an seinem Regieren beteiligen – durch das Gebet für Menschen, Verhältnisse, Städte bei uns und in der weiten Welt.
Wir bitten
dass wir selber und unsere Gesellschaft weg kommen von dem ängstlichen Sorgen um Auskommen und Zukunftssicherung
für Not leidende Personen und Gruppen in der engeren Umgebung
um das tägliche Brot für unsere Mitmenschen in Hunger- und Katastrophengebieten
um Gottes Einwirken auf die internationalen Konflikte und um Bewahrung vor Terroranschlägen bei uns und in anderen Ländern
um Weisheit für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft für eine bessere Bekämpfung von Armut, Krankheit, Hungersnöten, Vertreibungen und Ungerechtigkeiten.