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vergib uns unsere Schuld, wie
Freitag, 14. Januar 2005

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

„Wir bitten in diesem Gebet, dass der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünden ... So wollen wir wiederum auch herzlich vergeben und gerne wohl tun denen, die sich an uns versündigen.“

(Martin Luther)

Text zur Vertiefung: Epheser 4,32–5,2

Wie das „tägliche Brot“ und die „Erlösung von dem Bösen“ gehört das uralte Thema von „Schuld und Vergebung“ in das unablässige Gespräch mit Gott.

Gemeinschaft gibt es nur, wo es Vergebung gibt Es gehört zum Menschsein, dass er seinem Nächsten und Gott nicht gerecht werden kann, dass er Gottes Recht missachtet und die Würde seiner Mitmenschen verletzt. Die so entstehende Schuld hat zerstörende Folgen. Schuld schreit nach einer Reaktion – nach Genugtuung, Vergeltung, Rache oder Sühne. Fatalerweise ist Schuld aber genau so nicht zu bewältigen. Auf diese Weise wird eine Spirale von Vergeltung und Gewalt in Gang gesetzt, an deren Ende scheinbar der Stärkere gewonnen hat, tatsächlich aber beide verloren haben.

Das Evangelium lautet: Gott hat die zerstörende Macht der Schuld überwunden. In Jesus und seinem Sterben am Kreuz durchbricht Gott die Spirale der Vergeltung durch Vergebung. So wird es möglich, Vergebung für eigene Schuld zu empfangen und Vergebung für die Schuld anderer zu gewähren. So kann man aufatmen in neuer Gemeinschaft.

Vergebung gibt es nur, wo Schuld eingestanden wird.

Ist Schuld aber eigentlich noch ein Thema in unseren Tagen? Ist das Bewusstsein für Schuld nicht längst verloren oder zumindest so stark im Schwinden, wie uns Werte und Maßstäbe verloren gehen? Woran ist Schuld noch zu erkennen, wenn wir in unserer Gesellschaft Egoismus und Subjektivismus getarnt als Eigenverantwortung und Selbstverwirklichung fördern? Was ist da noch Schuld gegenüber Menschen? Solidarität und Verantwortung für den Nächsten sind, obgleich viel beschworen, untergegangene oder untergehende Werte. Und Schuld gegenüber Gott? Ist das nicht längst ein bedeutungsloses Thema – weil Gott bedeutungslos geworden ist?

Schuld ist nicht zuerst eine Sache unseres Gefühls und unseres Schuldbewusstseins, sondern eine objektive Tatsache. Schuld in ihrer ganzen Tiefe zu erkennen ist nicht eine Leistung menschlicher Vernunft. Erst in der Begegnung mit dem lebendigen Gott werden die eigentlichen Dimensionen von Schuld und Vergebung offenbar. Durch sein Wort und seinen Geist eröffnet Gott selbst dem Menschen den ganzen Horizont von Schuld und Vergebung sowie die Einsicht in die eigene Verlorenheit vor Gott und das Geschenk seiner Gnade in Jesus.

Wer aus der Tiefe ruft: „Gott sei mir Sünder gnädig,“ der kann denen, die an ihm schuldig geworden sind, vergeben.

Gebetsschwerpunkt: Buße

Schuld und Vergebung ist zunächst unser eigenes Thema. Auch in christlichen Kreisen wird Schuld manchmal allzu leicht genommen und Vergebung zu selbstverständlich vorausgesetzt. Die „Freude der Buße“ und die Freiheit des Neuanfangs erfährt nur, wer zu seiner Schuld steht, Vergebung erbittet und von falschen Wegen umkehrt. Das gilt für individuelle ebenso wie für kollektive Schuld. Wie wunderbar, dass bei Jesus Vergebung zu bekommen ist!

Wir tun Buße



wo Schuld und Vergebung im eigenen Leben zu bloßen Glaubensformeln geworden sind

wo ein Klima der Scheinheiligkeit oder der geistlichen Perfektion Sündenerkenntnis, Umkehr und Neuanfang erschwert

wo die klaren Maßstäbe des Wortes Gottes unter uns aufgeweicht oder verschwiegen werden

dass unsere Gesellschaft – teils mit unserer Billigung – Schuld nicht mehr beim Namen nennt.

 
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