Samstag, 15. Januar 2005
Führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
„Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott behüte und erhalte, damit uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und wenn wir damit angefochten wurden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.“
(Martin Luther)
Text zur Vertiefung: 1. Kor. 10,12–13
Wir sind versuchlich. Wer wüsste aus seinem Leben nicht zu berichten von der Kraft der Eitelkeit, der Ehrsucht, des Geldes, der Macht? Wer hat nicht zu tun mit dem tief in uns sitzenden Egoismus? Der Teufel ist listig, und seine Versuchungen sind so gefährlich, weil er unser innerstes Wesen kennt und auf unsere Schwächen zielt. Er will die Kinder Gottes aus der Gemeinschaft mit Gott herausbrechen, am liebsten für immer.
Versuchung als Kompliment
Manchmal überwinden wir und halten Stand. Gott sei Dank! Manchmal gehen wir der Versuchung auf den Leim. Welche Schande! Und dabei ist jede Versuchung erst einmal ein Kompliment. Der Teufel versucht uns, weil wir Gottes Kinder sind und er uns aus dem Tritt bringen will. Er möchte, dass wir stolpern, dann fallen – und liegen bleiben.
Deshalb beten Christen diese Bitte des Vaterunsers aus tiefstem Herzen, weil sie Gott bitten, Herr zu sein über das eigene Leben mit all seinen Trieben und verborgenen Sehnsüchten. Jesus legt uns diese Bitte dringend ans Herz. Er kennt uns mit unserer Schwäche und will uns stark machen. Er will uns bewahren vor der Versuchung des Bösen. Er will uns aber auch vergeben und aufrichten, wenn wir ihr in unserer Schwäche erlegen sind. An wen sollten wir uns wenden in der Versuchung, wenn nicht an ihn? Unser wunderbarer Herr weiß ja, wie es ist, wenn man versucht wird und wie man darin standhält.
Auf die Knie statt in die Knie
Wenn der böse Tag der Versuchung kommt, dann helfen keine guten Vorsätze und Anstrengungen, sondern allein unser Gott. Und der Ausweg, die Rettung, liegt so nah und ist so leicht. Wir müssen nicht in die Knie gehen, sondern dürfen auf die Knie gehen. Wir sollen beten! Satan flieht, wenn er Gottes Kinder beten sieht. Und Gott rüstet uns aus mit Wahrheit und Gerechtigkeit und stellt uns den Heiligen Geist als Beistand zur Seite.
Erprobung gegen Versuchung
Gott wird niemals probieren, uns zu Fall zu bringen! Aber der Vater stellt uns gelegentlich auf die Probe und gibt uns damit Gelegenheiten, Immunkräfte gegen die Versuchungen des Teufels aufzubauen – Kräfte, die nicht aus uns, sondern von ihm kommen. Das ist wie bei einer Brücke, die nach ihrer Fertigstellung einer Belastungsprobe unterzogen wird. Sie soll zeigen, ob die Ingenieure richtig gerechnet haben. Wenn die Probe bestanden ist, können wir sicher sein, dass die Brücke hält. So ist Gott. Er erprobt uns, damit wir erleben, dass wir uns auf ihn verlassen können.
Gebetsschwerpunkt: Bitte
Versuchungen lauern bekanntlich überall, besonders wo man sie nicht vermutet. Gott selbst bewahrt uns vor dem Bösen, auch davor, dass Versuchungen übermächtig werden. Dennoch erwartet das Wort Gottes von den Christen eigene Wachsamkeit. Dies gilt für den privaten Bereich wie für das gesellschaftliche Leben. Wie gut, dass Gott uns nicht allein lässt, sondern uns sein Wort als Richtschnur und seinen Geist als Helfer gibt!
Wir bitten
zuerst um ein waches Gewissen, Standhaftigkeit und den Beistand des Heiligen Geistes in eigenen Versuchungen
dass in Gemeinden und Kirchen eindeutige biblische Kriterien als Orientierung für ein Leben als Christ erhalten bleiben bzw. wieder einziehen
dass Junge und Ältere angesichts der vielen Versuchungen unserer offenen Gesellschaft – z.B. in den Bereichen Sex, Geld und Macht – Hilfe und Orientierung bei den Christen finden
dass Gott selbst dem Bösen eine Grenze setzt.
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