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Benedikt - der Gesegnete
Als neues Oberhaupt der katholischen Kirche nennt sich der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger Benedikt XVI. Mit der Wahl seines Namens deutet der frisch gewählte Pontifex maximus an, in welcher Tradition er sich sieht. Benedikt leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet "der Gesegnete".
Der aus Genua stammende Benedikt XV., auf den der Ratzinger nun namentlich folgt, war 1914 kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges gewählt worden und starb 1922. Er blieb vor allem mit Botschaften des Friedens und der Versöhnung in Erinnerung.
Der Gesegnete - das ist so bescheiden wie die ersten Worte des neuen Papstes auf dem Balkon des Petersdoms. Die Worte vom "
einfachen Arbeiter im Weinberg des Herrn" und vom "unzureichenden Werkzeug Gottes".
Benedikt, der Gesegnete, das ist weniger anspruchsvoll, als sich in anderer lateinischer Tradition etwa den Unschuldigen oder den Frommen zu nennen - Innozenz oder Pius. Bescheiden ist vielleicht auch die bewusste Abkehr vom Doppelnamen Johannes Paul. Nicht einfach der dritte solche zu werden, unterstreicht die Einzigartigkeit des zu Ende gegangenen Pontifikats.
Interesse der Deutschen an katholischer Kirche wird steigen. Es wird also darauf ankommen, was Ratzinger als Benedikt der XVI. nun nach seiner Wahl tut. Auf alle Fälle wird er das Interesse der Deutschen für diese Kirche steigern. Das ist gut, und noch besser, wenn es kritisches Interesse ist. Der Papst ist nicht der Präfekt der Glaubenskongregation. Er ist der Nachfolger Petri, des Menschenfischers.
Ein Papst muss die Menschen für sich und die Kirche gewinnen. Zurückgewinnen, aus Sicht der deutschen Mehrheit. Halten wir uns - allein schon aus dem Gebot der Fairness - an Johannes Paul II.: Habt keine Angst. Auch nicht vor Benedikt dem XVI.
Lebenslauf von Joseph Ratzinger
1927
geboren am 16. April in Marktl am Inn
1946-1951
Studium der Philosophie und Theologie in Freising und München
1951
Priesterweihe am 29. Juni in Freising
Aushilfspriester in München-Moosach (Pfarrei St. Martin)
1951-1952
Kaplan in München-Bogenhausen (Pfarrei Hl. Blut)
1952-1954
Dozent im Erzbischöflichen Klerikalseminar Freising
1954-1957
Dozent für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising
1957
Habilitation an der Universität München im Fach Fundamentaltheologie mit einer Untersuchung über Bonaventura
1958-1959
außerordentlicher Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising
1959-1963
Ordinarius für Fundamentaltheologie an der Universität Bonn
1962-1965
Offizieller Konzilstheologe (Peritus) des Zweiten Vatikanums
1963-1966
Ordinarius für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster
1966-1969
Ordinarius für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Tübingen
1969-1977
Ordinarius für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Regensburg
1976-1977
Vizepräsident der Universität Regensburg
1977
Ernennung zum Erzbischof von München und Freising am 25. März 1977
Ernennung zum Kardinal am 27. Juni 1977
Ernennung zum Honorarprofessor der Universität Regensburg
1981
Ernennung am 25. November 1981 durch Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Katholischen Glaubenskongregation in Rom, zum Präsidenten der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission
1987
Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Pentling
1986-1992
Leiter der Päpstlichen Kommission zur Erstellung des „Katechismus der Katholischen Kirche“
1992
Erhebung im Konsistorium des 5. April 1993 zum Kardinalbischof der suburbikarischen Diözese Velletri-Segni durch Papst Johannes Paul II.
1998
Bestätigung der Wahl zum Vizedekan des Kardinalskollegiums am 9. November 1998 durch Papst Johannes Paul II.
2002
Wahl zum Dekan des Kardinalskollegiums
Ehrendoktorate:
1984
College of St. Thomas in St. Paul / Minnesota: Verleihung des Ehrendoktors of Humane Letters
1985
Ehrendoktor der Katholischen Universität Eichstätt
1986
Ehrendoktor der Katholischen Universität Lima
1988
Ehrendoktor der Katholischen Universität Lublin
1998
Ehrendoktor der Katholischen Universität von Navarra in Pamplona
1999
Ehrendoktor in Rechtswissenschaft der Freien Universität „Maria SS. Assunta“ (LUMSA) in Rom
2000
Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Universiät Wroclaw
Weitere Auszeichnungen:
1977
Verleihung des Großkreuzes des nationalen Verdienstordens der Republik Ecuador
Verleihung des Bayerischen Verdienstordens
1985
Verleihung des Großen Verdienstkreuzes des Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband
Verleihung der Verfassungsmedaille des Bayerischen Landtags in Gold
1989
Verleihung des Ordine della Minerva der Universität Chieti
Verleihung des Augustin-Bea-Preises in Rom
1991
Verleihung des Leopold-Kunschak-Preises in Wien
1992
Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande der Republik Österreich
Verleihung des Literaturpreises in Anacapri
Verleihung des Literaturpreises Basilicata in Potenza
1996
Verleihung des Bayerischen Maximiliansordens für Kunst und Wissenschaft
1997
Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Marktgemeinde Marktl am Inn
1998
Ernennung zum Kommandeur der Ehrenlegion durch den französischen Staatspräsidenten
1999
Aufnahme in die Reihen des Souveränen Militärischen Malteserordens in Rom als „Bali di Gran Croce e Devozione“
Mitgliedschaften:
1964-1967
Ordentliches Mitglied der Rheinisch-Westfälischen Akademie Wissenschaften, seit 1966 Korrespondierendes Mitglied
1966
Mitglied der Académie des sciences réligieuses, Bruxelles
1991
Ordentliches Mitglied der Europäischen Akademie für Wissenschaften und Künste, Abteilung Theologie in Salzburg
1992
Membre Associé Etranger der Académie des Sciences Morales et Politiques de l’Institut de France, Paris
2000
Berufung als Ehrenmitglied in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften durch Papst Johannes Paul II.
2005
Benedikt XVI., gebürtig Joseph Alois Ratzinger (* 16. April 1927 in Marktl, Landkreis Altötting, Bayern) ist der 265. Papst in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche und der erste deutsche Papst nach 482 Jahren (Papst Hadrian VI.). Er ist der achte deutsche Papst in der Geschichte. Er war zuvor Dekan des Kardinalskollegiums und bis zum Tod seines Vorgängers Johannes Paul II. Präfekt der Glaubenskongregation. Damit war er einer der bedeutendsten Kardinäle und galt theologisch und persönlich als „rechte Hand“ seines Vorgängers. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Benedikt XVI. als konservativ und war in der Vergangenheit sowohl innerkirchlich als auch in der Außenwahrnehmung in vielen Punkten umstritten. Am 19. April 2005 wurde er nach 26-stündigem Konklave im 4. Wahlgang zum Papst gewählt.
Privates von Joseph Ratzinger
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Hoffnung und Gratulation zur Wahl des neuen Papstes
Israels Präsident Mosche Katzav gratulierte dem Vatikan zur Wahl des neuen Papstes, Benedikt XVI., dem aus Deutschland stammenden Kardinal Josef Ratzinger. Israels Außenminister Silwan Schalom drückte in einer Bekanntmachung seitens des Ministeriums Israel Hoffnung aus, dass der neue Papst den Weg des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. weiterführen und die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und Israel weiter ausbauen werde. In der israelischen Tageszeitung Jedioth Aharonot stand heute neben dem Bild Ratzingers auf der Titelseite, dass er Mitglied der Hitlerjugend war. Rabbiner David Rosen der Vorsitzende des Amerikanisch-Jüdischen Komitees meinte, dass die Wahl Ratzingers zum Papst für Israel und die Juden gut sei. Ratzinger selbst besuchte Israels mehrmals schon vor der Aufnahme der Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan im Jahr 1993, kurz danach hielt er die Schlüsselrede bei einer jüdisch-christlichen Konferenz.
Er sieht die Verweigerung des jüdischen Volkes, Jesus als den Messias anzuerkennen, als einen Teil des göttlichen Heilsplanes an, der nicht als Absage an Gott durch die Juden ausgewertet werden dürfe, sondern der darauf hinweise, dass die Zeit der Erlösung und des Friedens für die gesamte Menschheit noch nicht gekommen sei.
Internationale Reaktionen
"Mann großer Weisheit"
Politiker und kirchliche Würdenträger aus dem Ausland haben die Wahl von Joseph Kardinal Ratzingers zum Papst Benedikt XVI.
überwiegend begrüßt.
US-Präsident George W. Bush lobte ihn als Mann mit "großer Weisheit und Erfahrung". "Er ist ein Mann, der Gott dient", sagte Bush in Washington. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac versicherte, Frankreich werde weiterhin mit dem Vatikan für Frieden und Gerechtigkeit wirken.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wünschte dem Papst eine "fruchtbare und weise" Amtszeit, die dem Wohl der gesamten Menschheit dienen solle. Benedikt XVI. werde der wichtigste geistliche Bezugspunkt werden. Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi nannte die Papstwahl "einen Moment der großen Freude für alle Italiener".
UN-Generalsekretär Kofi Annan wünschte Ratzinger Stärke und Mut für seine große Aufgabe. Das neue Oberhaupt der katholischen Kirche bringe eine Fülle von Erfahrungen für das Amt mit sich. "Die Vereinten Nationen und der Vatikan fühlen sich dem Frieden, der sozialen Gerechtigkeit, Menschenwürde, religiösen Freiheit und dem Respekt für alle Glaubensrichtungen der Welt gleichermaßen verpflichtet", sagte Annans Sprecher.
Hinwendung nach Europa?
In Lateinamerika zeigten sich allerdings viele Katholiken enttäuscht. Die Entscheidung für Ratzinger bedeutet nach Ansicht der Kirche in Brasilien eine "Wende" des Vatikans Richtung Europa. Die Wahl des Namens Benedikt XVI. deute darauf hin, dass Ratzinger sich "in erster Linie der Wiederchristianisierung Europas" widmen wolle, erklärte der stellvertretende Präsident der brasilianischen Bischofskonferenz, Antonio Celso de Queiroz. Brasilien ist das größte katholisch geprägte Land der Erde.
Unterschiedliche Reaktionen kamen auch aus Afrika.
In Nigeria, wo zahlreiche Gläubige auf die Wahl ihres Landsmannes Kardinal Francis Arinze gehofft hatten, gab es zurückhaltende Reaktionen. Der kenianische Erzbischof Raphael Ndingi zeigte sich hingegen von der Wahl des neuen Papstes begeistert.
Anglikaner hoffen auf Treffen
Das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Rowan Williams, würdigte die Wahl Ratzingers zum neuen Papst als wichtiges Ereignis für die gesamte Christenheit. Er wünsche Benedikt XVI. Gottes Segen für die "immense Verantwortung", die er nun im Namen aller Katholiken übernehme. Er wolle den neuen Papst so bald wie möglich treffen, um die vom Johannes Paul II. betriebene Verständigung beider Kirchen weiterzuführen.
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